Fitness für Anfänger – Wie schnell wird man fit?

Der Gedanke: „Ab heute werde ich fit. Muskeln aufbauen. Meinen Körper verändern.“ ist schnell gefasst. Aber wie schnell wird daraus eigentlich Realität?

Ich erinnere mich noch ziemlich genau daran, wie ich ernsthaft mit Sport begonnen habe. Da war ich ungefähr zwanzig. Kampfsport. JiuJitsu.

Als Jugendlicher war ich eine komplette Bohnenstange. Mein Vater schleppte mich zwar immer wieder zu Fußball, Kampfsport und ähnlichen Sachen mit, aber wirklich hängengeblieben bin ich nirgendwo – außer vor dem Bildschirm. Miese Körperhaltung inklusive.

Zumindest nahm ich nicht zu. Ich war der klassische „Lauch“: spindeldürr, kaum Muskeln und trotzdem keiner, der Masse bekommt, selbst wenn Ernährung und Bewegung eine Katastrophe waren.

Aber wie schnell baut man eigentlich wirklich Muskeln auf?

Die Grundbedingung – Dranbleiben

Bevor ich jetzt darüber fachsimpele, was möglich ist, bleiben wir erstmal realistisch: Viele Menschen, die mit Sport anfangen, hören innerhalb des ersten halben Jahres wieder auf – manche sogar deutlich früher.

Und ganz ehrlich? Genau die Frage: „Wie schnell geht das eigentlich?“ ist bei vielen schon der Anfang vom Ende.

Man sieht irgendein sportliches Vorbild oder bekommt plötzlich wieder diesen Gedanken:
„Jetzt zieh ich’s endlich durch.“

Dann stolpert man noch über den hochseriösen Instagram-Beitrag darüber, wie man in zwei Wochen zur Maschine wird – und zack, geht’s los.

Proteinpulver einkaufen.                                  
Im Fitnessstudio anmelden.
Motivation gewaltig.
Durchhaltevermögen eher fragwürdig.

Warum?

Weil das Ziel oft schon von Anfang an mies gewählt ist.

Fitness ist kein:
„Ich brauch in zwei Wochen ein Sixpack, weil ich nach Italien fliege.“

Fitness ist eher:
„Ich möchte meinem Körper langfristig etwas Gutes tun.“

Kurz gesagt: Der Weg ist das Ziel. Denn wer nur auf das Endergebnis starrt, merkt ziemlich schnell, wie verdammt weit dieses Ziel eigentlich entfernt ist.

Bevor du also überhaupt anfängst, solltest du dir über ein paar Dinge im Klaren sein:

Du wirst gestresst sein.
Du wirst Muskelkater haben.
Du wirst Tage haben, an denen du absolut keinen Bock hast.
Du wirst manchmal keine Zeit finden.
Und du wirst dich vermutlich regelmäßig mit Leuten vergleichen, die das Ganze schon seit Jahren machen.

Du glaubst trotzdem, du packst das?

Gut.

Dann schauen wir mal, wie diese Reise normalerweise beginnt.

Die Aua-Phase

Meine ersten zwei Wochen waren knallhart. Im Kampfsport ging es noch halbwegs, weil dort viel Technik trainiert wurde und vergleichsweise wenig Kraft gefragt war. Als ich später mit Akrobatik anfing, wurde es deutlich heftiger. Gefühlt wollte mein Rücken mich umbringen.

In dieser Phase wirst du dir vermutlich mehr als einmal überlegen, ob du mit diesem Unsinn nicht lieber wieder aufhören solltest.

Denn viele Anfänger übertreiben am Anfang erstmal ordentlich und handeln sich Muskelkater vom Feinsten ein.

Wenn du ohnehin verspannt bist oder eine schlechte Haltung hast, fühlt sich die erste Zeit oft noch unangenehmer an. Und Bauchmuskelkater? Der ist eine ganz besondere Erfahrung. Plötzlich merkst du erstmal, wie oft du diese Muskeln im Alltag eigentlich brauchst.

Höchstwahrscheinlich wirst du dich nach dem Training anfangs auch nicht euphorisch fühlen, sondern eher komplett erledigt.

Der positive Nebeneffekt:

Du schläfst meistens wie ein Stein.

Die „Ich lebe noch“ – Phase

Nach ungefähr einem Monat war ich noch immer kompletter Anfänger, aber ich verstand zumindest langsam, wie der Hase läuft. Ich schwamm irgendwie mit und fühlte mich trotzdem wie der Typ, über den alle anderen locker drüberrollen.

Aber hey – ich war immerhin noch da.

Viele erreichen diese Phase gar nicht erst. Weil ihnen der Aufwand zu groß wird. Weil im Alltag plötzlich kein Platz mehr für Training bleibt. Oder weil die meisten Menschen Schmerz lieber vermeiden, als ihn freiwillig auszulösen.

Wenn du dein Training nicht komplett übertrieben hast, beginnt dein Körper sich jetzt langsam an die Belastung zu gewöhnen.

Gut siehst du wahrscheinlich noch immer nicht aus – aber du merkst Fortschritte.

Mehr Wiederholungen.

Mehr Kontrolle.

Sauberere Bewegungen.

Vielleicht etwas mehr Gewicht.

Es tut zwar noch immer weh, aber nicht mehr ganz so arg. Du hast langsam das Gefühl, deinen Körper besser unter Kontrolle zu bekommen.

Und genau hier solltest du nicht übermütig werden.

Viele Anfänger machen jetzt den Fehler, plötzlich viel zu schnell steigern zu wollen. Mehr Gewicht. Härtere Übungen. Mehr Trainingstage.

Dabei wäre oft genau das Gegenteil sinnvoll:

ordentlich aufwärmen, sauber trainieren, ausreichend schlafen und dem Körper Zeit geben, sich anzupassen.

Fortschritt entsteht nicht dadurch, dass du dich komplett zerstörst – sondern dadurch, dass du dranbleibst.

Jetzt hab ich den Dreh raus – Phase

Nach ungefähr zwei Monaten siehst du wahrscheinlich zum ersten Mal kleine Veränderungen. Ein bisschen Muskelwachstum. Etwas mehr Körperspannung. Vielleicht wirken Schultern oder Arme plötzlich kräftiger.

Vor allem aber hast du die härteste Anfangsphase hinter dir.

Und vielleicht passiert jetzt etwas Neues:
Du fühlst dich nach dem Training zum ersten Mal besser als davor.

Nicht, weil plötzlich nichts mehr weh tut – Muskelkater gehört oft noch immer dazu – sondern weil du merkst:
„Ich zieh das jetzt wirklich durch.“

Du hältst zum x-ten Mal durch, dein Körper fühlt sich nach dem Training angenehm warm an und langsam entsteht dieses Gefühl, dass Sport nicht mehr nur anstrengend ist, sondern tatsächlich guttut.

Genau hier verlieren übrigens viele wieder die Motivation.

Aus:
„Es läuft eh gut.“

wird plötzlich:
„Heute kann ich auch mal auslassen.“

Und aus einmal werden schnell drei Wochen.

Deshalb ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, langsam neue Ziele zu setzen.

Nicht:
„Ich will aussehen wie The Rock.“

Sondern eher:
„Ich will dreißig Liegestütze am Stück schaffen.“
„Ich will meinen ersten sauberen Klimmzug.“
„Ich will beweglicher werden.“

Kleine, erreichbare Ziele halten deutlich länger am Leben als irgendein unrealistisches Fitnessideal.

Die kritische Phase

Machen wir einen Sprung auf ungefähr sechs Monate Training.

Ja. Ein halbes verdammtes Jahr.

Und trotzdem fühlt man sich oft noch immer wie Anfänger.

Gerade in Akrobatik oder Kampfsport ist das allerdings schon ein riesiger Unterschied. Technisch passiert in dieser Zeit enorm viel. Bewegungen wirken sauberer, der Körper reagiert besser und man merkt langsam, dass man nicht mehr völlig planlos herumrudert.

Man ist noch weit entfernt von „richtig gut“ – aber immerhin liegt man nach dem Training nicht mehr nur wehklagend am Boden.

Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit haben sich inzwischen deutlich verbessert – vorausgesetzt, du trainierst halbwegs regelmäßig.

Trotzdem:

Du hast wahrscheinlich noch immer kein perfektes Sixpack und bist auch nicht plötzlich zur Muskelmaschine geworden.

Und genau das ist die kritische Phase.

Sie fühlt sich ein bisschen so an, als würde man auf einen Spagat hintrainieren: Anfangs macht man schnelle Fortschritte, doch irgendwann wird jeder weitere Zentimeter mühsam. Man bleibt monatelang dran und hat trotzdem das Gefühl, kaum noch voranzukommen.

Viele hören genau jetzt wieder auf.

Nicht, weil sie keine Fortschritte gemacht hätten – sondern weil ihnen klar wird, dass ein sportlicher Körper kein Sprint ist, sondern eher ein jahrelanger Marathon.

Wer an diesem Punkt trotzdem weitermacht, kann seinen Körper langfristig wirklich verändern.

Das Plateau

Als ich mit dem Training angefangen hatte, war Muskelaufbau eigentlich gar nicht mein Hauptziel. Und rückblickend war genau das vermutlich ein großer Vorteil.

Ich war im Verein, lernte Kampfsport und hatte einfach Spaß daran, technisch besser zu werden. Dass ich dabei kräftiger wurde – und langsam auch schwerer – bemerkte ich zuerst kaum.

Bis irgendwann jemand zu mir meinte: „Du, deine Schultern sind ganz schön breit geworden.“

Da stellte ich mich nach langer Zeit mal wieder auf die Waage.

Zehn Kilo mehr als all die Jahre zuvor. Von ungefähr 70 auf 80 Kilo.

Ein guter Teil davon war sicher Muskulatur, auch wenn natürlich nicht jedes einzelne Kilo reine Muskelmasse war.

Und genau ab diesem Punkt wurde Training etwas anderes:

keine kurzfristige Motivation mehr, sondern Gewohnheit. Mal intensiver. Mal nachlässiger. Aber trotzdem ein Teil des Alltags.

Ab hier verändert sich der Körper meistens deutlich langsamer – zumindest dann, wenn man nicht bewusst neue Trainingsreize setzt oder sein Training gezielt weiterentwickelt.

Aber selbst wenn die Fortschritte kleiner werden:

Wenn dein Körper nach einem Jahr sichtbar kräftiger, stabiler und leistungsfähiger geworden ist, dann hast du bereits mehr erreicht als die meisten Menschen, die jedes Neujahr wieder „diesmal wirklich“ anfangen wollen.

Alles in allem

Fitness verändert den Körper langsam – oft viel langsamer, als Anfänger hoffen. Aber sie verändert den Alltag, die Energie und das eigene Körpergefühl meistens deutlich schneller.

Wer lange genug dranbleibt, merkt irgendwann: Man trainiert nicht mehr nur, um fitter zu werden. Man ist es längst geworden.

Mein persönlicher Tipp:
Konzentrier dich weniger auf perfekte Ergebnisse und mehr darauf, die Bewegung zu einem Teil deines Lebens zu machen.

Denn die Veränderung des Körpers ist oft nur das Sahnehäubchen.

Das Eigentliche passiert davor.

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